Zentral und charakteristisch für die Arbeit von Christine Gehrke ist, dass sie sehr konsequent, analytisch und konzentriert, ein fotografisches Thema erforscht. Indem sie das Objekt, die Linse (ein Teil des Objektivs) nicht lediglich als bilderzeugendes Werkzeug benutzt, sondern diese selbst in das Bild integriert und als Motiv definiert.
Es gelingt ihr mit dieser Intervention den photographischen Prozess, das Einfangen von Licht per se, zu ästhetisieren. Auf diese Weise legt Christine Gehrke die Vermutung nahe, dass das Prozessuale im Werk von weiterer, grösserer Bedeutung sein kann als das fertig gestellte Werk im klassisch geläufigen Sinne.
Faszinierend an dieser versachlichten, formal ästhetisierten Autoreflektion ist aber nicht unbedingt deren durchaus vordergründige, formale Hermetik, vielmehr artikuliert sich bei dieser Arbeit im Besonderen folgende Fragestellung:
Ob denn Kreativitaet u.U. weitaus weniger ein geniales Geschöpf, als weit mehr ein intelligentes Phänomen ist?

Prof. Tristan J. Pranyko